Spätere Affäre Scheidung Österreich: Zählt sie noch?

Affäre nach dem Ehe-Aus? Warum spätere Untreue bei der Scheidung oft nicht mehr zählt
Spätere Affäre Scheidung Österreich: Manchmal zerbricht eine Ehe nicht an der Affäre, über die am lautesten gesprochen wird, sondern an dem, was Monate oder Jahre davor bereits alles zerstört hat.
Genau daran scheitern in Scheidungsverfahren viele einfache Erklärungen. „Du warst auch nicht treu“ klingt nach einem starken Gegenargument. Rechtlich kommt es aber nicht nur darauf an, ob jemand eine Eheverfehlung begangen hat. Entscheidend ist auch, wann das passiert ist und ob die Ehe zu diesem Zeitpunkt überhaupt noch zu retten war.
Die Geschichte hinter dem Streit: Wer hat die Ehe wirklich zerstört?
Ein Ehepaar stritt vor Gericht über die zentrale Frage einer Verschuldensscheidung: Wer trägt die überwiegende Schuld am Scheitern der Ehe? Die Vorinstanzen sahen die Hauptverantwortung beim Mann. Er wollte das nicht akzeptieren und verwies unter anderem darauf, dass auch die Frau eine Beziehung zu einem anderen Mann begonnen hatte.
Auf den ersten Blick klingt das nach einem typischen Fall gegenseitiger Vorwürfe. Der Mann sagte sinngemäß: Wenn die Frau ebenfalls eine Affäre hatte, könne nicht nur er für die Zerrüttung verantwortlich sein. Doch das Gericht schaute genauer hin. Es prüfte nicht bloß, ob beide Seiten etwas Falsches getan hatten, sondern vor allem die zeitliche Abfolge.
Dabei zeigte sich: Die Beziehung der Frau begann erst zu einem Zeitpunkt, als die Ehe praktisch bereits unheilbar gescheitert war. Die Partnerschaft war also nicht mehr intakt, sondern faktisch schon am Ende. Zusätzlich fiel ins Gewicht, dass der Mann selbst ehewidrige Kontakte unterhielt und auch seinen Unterhaltspflichten nicht ausreichend nachkam.
Spätere Affäre Scheidung Österreich: Nicht jede Affäre wiegt gleich schwer
Das ist der rechtlich spannende Punkt: Eine außereheliche Beziehung ist nicht automatisch der Grund für das Scheitern der Ehe, nur weil sie emotional besonders belastend wirkt. Bei der Verschuldensscheidung fragt das Gericht nach der Ursache der Zerrüttung. War die Ehe schon vorher endgültig zerstört, kann ein späteres Fehlverhalten diese Zerstörung nicht mehr auslösen.
Anders gesagt: Was „zu spät“ kommt, kann für die Verschuldensfrage seine entscheidende Bedeutung verlieren. Moralisch bleibt eine spätere Affäre oft brisant. Rechtlich kann sie aber ins Leere gehen, wenn die Ehe zu diesem Zeitpunkt ohnehin nicht mehr bestand, jedenfalls nicht mehr als echte Lebensgemeinschaft. Wer sich allgemein zur Scheidung informieren möchte, sollte deshalb immer auch die Chronologie prüfen.
Was das Ehegesetz dazu praktisch bedeutet
Für die Scheidung aus Verschulden ist § 49 EheG zentral. Diese Bestimmung erlaubt die Scheidung, wenn ein Ehepartner durch eine schwere Eheverfehlung oder durch ehrloses beziehungsweise unsittliches Verhalten die Ehe so tief zerrüttet hat, dass die Wiederherstellung einer dem Wesen der Ehe entsprechenden Lebensgemeinschaft nicht erwartet werden kann. Vereinfacht gesagt: Es braucht ein schweres Fehlverhalten und einen Zusammenhang mit dem Scheitern der Ehe.
Wichtig ist auch das Verschuldensprinzip selbst. Das Gericht verteilt nicht einfach „moralische Punkte“, sondern prüft, welches Verhalten die Zerrüttung tatsächlich herbeigeführt oder wesentlich vertieft hat. Wer sich auf das Fehlverhalten des anderen beruft, muss also auch zeigen können, dass dieses Verhalten noch ursächlich war.
Beim Unterhalt nach der Scheidung spielt außerdem § 66 EheG eine große Rolle. Diese Norm regelt den Unterhaltsanspruch des Ehegatten, der am Scheitern der Ehe nicht oder nicht überwiegend schuld ist. Gerade deshalb wird über die Schuldfrage oft erbittert gestritten: Sie ist nicht nur symbolisch, sondern kann direkt finanzielle Folgen haben. Mehr zum Thema Unterhalt finden Sie hier.
Warum auch versteckte Untreue zählt
Besonders interessant an der Entscheidung ist noch ein zweiter Gedanke. Der Mann hatte selbst ehewidrige Kontakte. Solche Treueverletzungen verlieren ihre rechtliche Bedeutung nicht bloß deshalb, weil sie zunächst geheim geblieben sind. Untreue ist bereits als solche ein klarer Verstoß gegen die eheliche Loyalität.
Das bedeutet: Auch wenn der andere Ehepartner erst später davon erfährt, kann dieses Verhalten weiterhin als schwere Eheverfehlung gewertet werden. Dass der andere Ehepartner erst später davon erfährt, macht den Treuebruch nicht bedeutungslos. Für das Gericht zählt, dass die eheliche Loyalität verletzt wurde.
Was das Gericht klargestellt hat
Das Höchstgericht bestätigte im Ergebnis die Sicht der Vorinstanzen: Die spätere Beziehung der Frau änderte nichts daran, dass der Mann überwiegend für die Zerrüttung verantwortlich war. Der Grund war die Reihenfolge der Ereignisse. Als die Frau die neue Beziehung einging, war die Ehe bereits so schwer beschädigt, dass dieses Verhalten nicht mehr als eigentliche Ursache des Scheiterns gewertet werden konnte.
Gleichzeitig blieb das Verhalten des Mannes rechtlich relevant. Seine ehewidrigen Kontakte und die Verletzung von Unterhaltspflichten waren gewichtige Faktoren. Das Gericht ließ also das häufige Argument „Dann sind eben beide gleich schuld“ nicht automatisch gelten. Gerade bei langen Konfliktverläufen ist die genaue Einordnung entscheidend. Genau hier zeigt sich, warum das Thema Spätere Affäre Scheidung Österreich in der Praxis oft missverstanden wird.
Spätere Affäre Scheidung Österreich: Wann diese Frage im echten Leben plötzlich sehr wichtig wird
Wenn Sie sich gerade in einer ähnlichen Situation befinden, ist dieses Thema oft an vier Stellen besonders relevant:
- Bei Vorwürfen wegen Untreue auf beiden Seiten: Eine spätere Affäre „neutralisiert“ frühere schwere Eheverfehlungen nicht automatisch.
- Bei Streit über Ehegattenunterhalt: Ob jemand überwiegend schuld ist, kann den Unterhaltsanspruch nach der Scheidung stark beeinflussen.
- Bei langen Trennungsphasen innerhalb der Ehe: Wenn die Lebensgemeinschaft faktisch schon aufgehoben war, müssen spätere Ereignisse zeitlich sauber eingeordnet werden.
- Bei heimlichen Kontakten oder verdeckter Untreue: Auch verborgene Verstöße gegen die eheliche Treuepflicht können vor Gericht erheblich sein.
Mit langjähriger Erfahrung als Rechtsanwalt in Wien zeigt die Praxis der Pichler Rechtsanwalt GmbH: Nicht der lauteste Vorwurf entscheidet, sondern die Beweisbarkeit und die Chronologie.
Rechtsanwalt Wien: Was Betroffene jetzt dokumentieren sollten
- Notieren Sie möglichst genau, wann es zu welchen Vorfällen gekommen ist.
- Sammeln Sie Nachrichten, E-Mails, Kontoauszüge oder andere Unterlagen, die die zeitliche Abfolge belegen können.
- Halten Sie fest, seit wann keine echte eheliche Gemeinschaft mehr bestand, etwa getrennte Schlafzimmer, getrennte Freizeitgestaltung oder fehlende gemeinsame Haushaltsführung.
- Dokumentieren Sie Unterhaltsleistungen oder Unterhaltsverletzungen nachvollziehbar.
- Vermeiden Sie vorschnelle rechtliche Schlüsse nach dem Muster: „Jetzt hatte der andere auch eine Affäre, also ist alles ausgeglichen.“
FAQ: So wird bei Google tatsächlich gesucht
Zählt eine Affäre bei der Scheidung immer als Verschulden?
Nein. Eine Affäre kann eine schwere Eheverfehlung sein, aber sie muss auch für die Zerrüttung der Ehe rechtlich noch relevant sein. Wenn die Ehe bereits unheilbar gescheitert war, kann eine spätere Beziehung für die Schuldfrage an Gewicht verlieren. Entscheidend ist daher nicht nur das Verhalten selbst, sondern auch der Zeitpunkt.
Mein Mann sagt, ich war auch nicht treu – sind wir damit automatisch beide schuld?
Automatisch nicht. Das Gericht prüft, wer die Ehe überwiegend zerrüttet hat und welche Vorfälle dafür ursächlich waren. Eine spätere Untreue führt nicht zwingend zu gleichteiligem Verschulden. Gerade bei langjährigen Konflikten wird sehr genau auf die Reihenfolge geschaut.
Spielt heimliche Untreue rechtlich überhaupt eine Rolle, wenn ich davon damals nichts wusste?
Ja. Versteckte Untreue kann weiterhin als schwere Eheverfehlung gewertet werden. Dass der andere Ehepartner erst später davon erfährt, macht den Treuebruch nicht bedeutungslos. Für das Gericht zählt, dass die eheliche Loyalität verletzt wurde.
Warum ist die Schuldfrage bei der Scheidung in Österreich so wichtig?
Weil sie über mehr als nur ein Etikett entscheidet. Vor allem beim Ehegattenunterhalt kann die Frage, wer überwiegend schuld ist, erhebliche Folgen haben. Auch die Verfahrensstrategie ändert sich oft grundlegend, wenn Vorwürfe wie Untreue, Unterhaltsverletzung oder ehewidrige Kontakte im Raum stehen.
Mit langjähriger Erfahrung als Rechtsanwalt in Wien begleitet die Pichler Rechtsanwalt GmbH Mandantinnen und Mandanten in genau solchen Konflikten, in denen nicht jede Affäre rechtlich gleich zu beurteilen ist und der Ausgang oft an Details der zeitlichen Entwicklung hängt.
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