Seitensprung nach Versöhnung Österreich: teuer?

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Scheidungsverschulden in Österreich: Warum ein Seitensprung nach der Versöhnung besonders teuer werden kann

Nicht die erste Krise gab dieser Ehe den letzten Stoß, sondern eine Lüge im falschen Moment: Während beide noch an einen Neubeginn glaubten, fuhr der Mann heimlich mit einer anderen Frau ins Wellnesshotel. Gerade bei Seitensprung nach Versöhnung Österreich zeigt sich, wie teuer ein Vertrauensbruch im falschen Zeitpunkt werden kann.

Gerade im Scheidungsrecht wird oft gedacht, am Ende zähle einfach, wer öfter fremdgegangen ist oder wer mehr Fehler gemacht hat. So funktioniert die Verschuldensscheidung in Österreich aber nicht. Entscheidend ist, welche Verfehlungen die Ehe tatsächlich endgültig zerstört haben und wie schwer sie wiegen. Genau das zeigt eine Entscheidung des Obersten Gerichtshofs besonders deutlich.

Als die Ehe noch nicht vorbei war

Die Ehe war schon lange belastet. Vor allem die Kinderwunschbehandlungen trafen die Frau schwer. Sie fühlte sich in dieser körperlich und psychisch anstrengenden Zeit vom Mann allein gelassen. Die Beziehung litt zunehmend, Verletzungen sammelten sich an, das Vertrauen bekam Risse.

Später kam es auf beiden Seiten zu sexuellen Kontakten mit anderen Personen. Dazu blieb es nicht bei bloßen Beziehungskrisen: Bei einem Streit verletzte der Mann die Frau. Danach setzte er sie auch noch unter Druck, eine Anzeige zurückzuziehen. Wer solche Umstände erlebt, weiß, dass eine Ehe damit oft schon tief erschüttert ist.

Trotzdem war noch nicht alles vorbei. Die beiden unternahmen einen neuen Versuch. Sie verbrachten wieder Zeit miteinander und beschlossen, ihrer Ehe noch einmal eine Chance zu geben. Genau dieser Punkt war rechtlich entscheidend: Solange beide ernsthaft einen Neuanfang wollen, ist die Ehe nicht automatisch endgültig zerrüttet.

Dann kam die nächste Lüge. Der Mann behauptete, mit Freunden einen Ausflug zu machen. Tatsächlich fuhr er mit einer anderen Frau in ein Wellnesshotel. Als die Ehefrau das erfuhr, zerbrach die Beziehung endgültig.

Seitensprung nach Versöhnung Österreich: Warum das Gericht nicht einfach „Fehler gezählt“ hat

Der Oberste Gerichtshof stellte nicht schematisch gegenüber, wer sich wie oft falsch verhalten hatte. Im österreichischen Scheidungsrecht geht es bei der Verschuldensfrage nicht um eine mathematische Bilanz. Es geht um Gewicht, Zusammenhang und Zeitpunkt.

§ 49 Ehegesetz regelt die Scheidung aus Verschulden. Vereinfacht gesagt: Eine Ehe kann geschieden werden, wenn ein Ehepartner durch schwere Eheverfehlungen oder ehrloses beziehungsweise unsittliches Verhalten die Ehe so tief zerstört hat, dass die Wiederherstellung einer dem Wesen der Ehe entsprechenden Lebensgemeinschaft nicht zu erwarten ist.

Wichtig ist dabei noch etwas anderes: Nicht jede frühere Verfehlung prägt die gerichtliche Beurteilung gleich stark. Wenn Partner nach schweren Konflikten doch noch ernsthaft zueinander finden wollen, bekommt die Zeit dieses Versöhnungsversuchs besonderes Gewicht. Ein neuer Vertrauensbruch in dieser Phase trifft den Kern der Ehe unmittelbar. Genau hier wird das Thema Seitensprung nach Versöhnung Österreich rechtlich besonders relevant.

Der Wellnessurlaub wurde zum Wendepunkt

Genau hier setzte die rechtliche Begründung an. Der heimliche Aufenthalt mit einer anderen Frau passierte nicht irgendwann nach dem inneren Ende der Beziehung. Er geschah in einem Moment, in dem beide gerade wieder an eine gemeinsame Zukunft anknüpfen wollten.

Damit war dieser Seitensprung rechtlich anders zu bewerten als frühere wechselseitige Grenzverletzungen. Der Mann zerstörte nicht bloß eine ohnehin längst beendete Beziehung weiter. Er hinterging seine Ehefrau während eines ernsthaften Versuchs, das Vertrauen wieder aufzubauen. Das wiegt schwer.

Hinzu kam, dass sein Verhalten nicht isoliert betrachtet wurde. Die fehlende Unterstützung während der belastenden Kinderwunschzeit, mehrere Affären, körperliche Übergriffe und der Druck wegen der Anzeige bildeten ein Gesamtbild. Das Gericht durfte daher seine Verfehlungen deutlich schwerer bewerten als jene der Frau.

Was das für das Verschulden an der Scheidung bedeutet

Am Ende kann selbst dann das überwiegende Verschulden eines Ehepartners ausgesprochen werden, wenn beide Seiten Fehler gemacht haben. Das überrascht viele Betroffene. Sie gehen oft davon aus, frühere Fehltritte des anderen würden spätere eigene Verfehlungen relativieren. Genau das ist gefährlich.

Ein späterer Vertrauensbruch kann rechtlich stärker ins Gewicht fallen als mehrere ältere Konflikte. Vor allem dann, wenn er einen gemeinsamen Rettungsversuch zerstört. Der OGH machte damit klar: Nicht der erste große Bruch ist immer der entscheidende, sondern manchmal der Verrat im Moment der Versöhnung.

Das ist auch wegen möglicher Unterhaltsfolgen bedeutsam. Bei einer Scheidung aus überwiegendem Verschulden kann die Frage des Ehegattenunterhalts erheblich beeinflusst werden. Wer im Verfahren zur Hauptverantwortung für das Scheitern der Ehe erklärt wird, steht oft nicht nur emotional, sondern auch finanziell schlechter da. Mehr zum Thema finden Sie auch unter Unterhalt und Scheidung.

Wann dieser Fall für Sie besonders relevant ist

Wenn Sie sich gerade in einer ähnlichen Situation befinden, lohnt sich ein genauer Blick auf den zeitlichen Ablauf Ihrer Beziehung.

  • Sie hatten bereits eine Trennung oder Affäre hinter sich und haben danach doch noch einmal zusammengefunden.
  • Während dieses Neuanfangs kam es zu neuen Lügen, neuen Außenbeziehungen oder respektlosem Verhalten.
  • Es gibt Streit darüber, ob die Ehe schon früher „ohnehin vorbei“ war.
  • Zusätzlich stehen Gewalt, Druck, Drohungen oder widersprüchliche Darstellungen im Raum.

Gerade in solchen Konstellationen wird vor Gericht oft intensiv darüber gestritten, wann die Ehe tatsächlich endgültig zerrüttet war. Diese Frage ist für die Verschuldensbeurteilung zentral.

Was Betroffene jetzt konkret festhalten sollten

  • Erstellen Sie eine klare Zeitleiste: Krise, Trennung, Versöhnung, neuer Vorfall.
  • Sichern Sie Nachrichten, E-Mails, Buchungsbestätigungen oder sonstige Belege.
  • Notieren Sie, wann ausdrücklich über einen Neuanfang gesprochen wurde.
  • Dokumentieren Sie Vorfälle von Gewalt, Druck oder Einschüchterung möglichst genau.
  • Vermeiden Sie die Annahme, frühere Fehler des anderen würden spätere eigene Affären „rechtfertigen“.

Mit langjähriger Erfahrung als Rechtsanwalt in Wien sieht die Pichler Rechtsanwalt GmbH in Verschuldensverfahren immer wieder, dass nicht nur der Inhalt eines Vorwurfs zählt, sondern vor allem seine Einordnung in den Beziehungsablauf. Wer hier unsauber vorträgt oder wichtige Zeitpunkte nicht belegen kann, verliert schnell an Glaubwürdigkeit.

Seitensprung nach Versöhnung Österreich & Rechtsanwalt Wien: FAQ

Ist ein Seitensprung nach einer Versöhnung vor Gericht schlimmer?

Ja, das kann er sein. Wenn beide Partner nach einer Krise ernsthaft versuchen, die Ehe zu retten, ist ein neuer Seitensprung oft besonders schwerwiegend. Er trifft genau die Phase, in der wieder Vertrauen entstehen sollte. Das kann für die Frage des überwiegenden Verschuldens ausschlaggebend sein.

Zählt vor Gericht, wer öfter fremdgegangen ist?

Nein, nicht bloß die Anzahl entscheidet. Das Gericht prüft, welche Verfehlungen die Ehe endgültig zerstört haben und wie schwer sie waren. Zeitpunkt, Zusammenhang und Intensität sind oft wichtiger als ein bloßes „Aufrechnen“. Deshalb kann ein einzelner späterer Vorfall stärker wiegen als mehrere frühere.

Was, wenn beide Ehepartner Fehler gemacht haben?

Auch dann kann einer das überwiegende Verschulden tragen. Das Gericht muss nicht automatisch ein gleichteiliges Verschulden aussprechen. Wenn das Verhalten eines Partners deutlich schwerer wiegt oder den endgültigen Bruch ausgelöst hat, kann dieser Partner rechtlich stärker verantwortlich sein.

Warum ist der Zeitpunkt der endgültigen Zerrüttung so wichtig?

Weil davon abhängt, wie einzelne Vorfälle rechtlich bewertet werden. Passiert eine Affäre erst nach dem endgültigen Ende der Ehe, hat sie oft weniger Gewicht als während eines echten Versöhnungsversuchs. Gerade deshalb ist eine saubere Darstellung des Beziehungsverlaufs so wichtig. Mit langjähriger Erfahrung als Rechtsanwalt in Wien unterstützt die Pichler Rechtsanwalt GmbH dabei, diese entscheidenden Punkte rechtlich präzise aufzuarbeiten.

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Dr. Clemens Pichler

Rechtsanwalt | Spezialist für Familienrecht & Scheidungsrecht in Wien

Dr. Clemens Pichler ist eingetragener Rechtsanwalt in Wien und Gründer der
Pichler Rechtsanwalt GmbH mit Kanzlei in 1010 Wien.
Er begleitet sowohl Männer als auch Frauen durch alle Phasen einer Scheidung –
von der einvernehmlichen Scheidung über streitige Scheidungsverfahren bis hin zu
Obsorge, Unterhalt und Aufteilung des ehelichen Vermögens.

Seit der Kanzleigründung im Jahr 2008 hat Dr. Pichler bereits hunderte Mandanten
in Familienrechtssachen vertreten und Scheidungen vor den Bezirksgerichten
abgewickelt – sowohl einvernehmlich als auch in strittigen Scheidungsverfahren.

Er ist Autor zahlreicher juristischer Fachpublikationen, unter anderem im
Österreichischen Anwaltsblatt, den Fachzeitschriften
ecolex und Recht der Wirtschaft sowie Gastautor in den
Tageszeitungen Die Presse und Der Standard.

Seine wissenschaftlichen Aufsätze werden vom Obersten Gerichtshof (OGH) zitiert,
und er hat als anwaltlicher Vertreter von Parteien zahlreiche Fälle vor dem
Höchstgericht erwirkt.

Seine Expertise im Familienrecht und Scheidungsrecht basiert auf langjähriger
Prozesserfahrung vor österreichischen Familiengerichten sowie auf aktueller
OGH-Rechtsprechung im Familienrecht.

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